John Barnett: Er sagte gegen Boeing aus – Whistleblower tot auf Hotelparkplatz aufgefunden

John Barnett, ehemaliger Angestellter des Pannen-Herstellers Boeing, hatte mehrfach Sicherheitsprobleme gemeldet. Nach seiner letzten Aussage vor Gericht soll er sich nun das Leben genommen haben.

32 Jahre lang hatte John Barnett als Ingenieur bei Boeing gearbeitet, bevor er 2017 in Rente ging. Aus Gesundheitsgründen. Über seine Arbeit als Qualitätsmanager hatte er immer wieder Schlagzeilen gemacht – weil er Fehler des Unternehmens anprangerte. Nun wurde er zwischen zwei Gerichtsterminen leblos aufgefunden. 

Am Samstag sei der 62-Jährige in seinem Auto auf dem Parkplatz seines Hotels entdeckt worden, erklärte der Bestatter des im US-Bundesstaat South Carolina liegenden Bezirks North Charleston am Montag bei einer Pressekonferenz. Er sei einer Schussverletzung erlegen, man gehe davon aus, dass er sie sich selbst zugefügt habe, so der Sprecher. Die Polizei ermittelt allerdings.

Boeing-Whistleblower: Anwalt zweifelt offenbar an Suizid

Das dürfte auch mit den Umständen zusammenhängen. Barnett hatte erst letzte Woche in einem Gerichtsverfahren gegen Boeing ausgesagt und war von den Anwälten des Unternehmens verhört worden. Sein Anwalt scheint nicht vom Suizid seines Mandanten überzeugt zu sein, sprach von einer „angeblich“ selbstverursachten Verletzung. Sein Tod sei „tragisch“, sagte er gegenüber mehreren Medien.

STERN C Boeing Emirates8.31

Barnett war als Whistleblower bekannt geworden, nachdem er 2019 auf teils dramatische Sicherheitsmängel bei seinem ehemaligen Arbeitgeber hingewiesen hatte. So berichtete er gegenüber der „BBC“, dass Boeing bewusst Teile verbaut habe, die nicht den Sicherheitsstandards entsprachen. Teilweise seien die Teile sogar aus Ausschuss-Haufen geholt und dann doch verbaut worden. Zudem wies er auf dramatische Mängel mit den Sauerstoff-Systemen der Flugzeuge hin: Die hätten in internen Tests eine enorm hohe Fehlerrate. Jede vierte Sauerstoffmaske könnte demnach im Notfall nicht funktionieren, erklärte Barnett damals.

Barnett legte sich mit Boeing an

Er habe während seiner Arbeit für den Konzern intern mehrfach auf die Mängel hingewiesen, seine Vorgesetzten hätten aber nicht danach gehandelt. Als Motiv vermutete Barnett Kostengründe. Boeing hatte die Vorwürfe bestritten, eine externe Untersuchung der Behörden hatte die Mängel aber teilweise bestätigt. 

Nach seiner Entlassung legte er sich auch rechtlich mit seinem ehemaligen Arbeitgeber an. Barnett warf dem Konzern vor, seinem Ruf und damit seiner Karriere geschadet zu haben. In diesem Rahmen war es auch zu seiner Aussage letzte Woche gekommen. Am Samstag hatte eine weitere Befragung angestanden. Weil Barnett aber nicht erschien, hatte man nach ihm gesucht – bis er dann auf dem Hotelparkplatz entdeckt wurde.

Boeing hat Probleme

Die Gerichtsverhandlung kommt für Boeing zu einem ungelegenen Zeitpunkt: Erst im Januar hatte der Konzern Schlagzeilen gemacht, nachdem eine Maschine der Alaska Air mitten im Flug eine Sicherheitstür verloren hatte. Die Boeing 737 Max war gerade erst in Dienst genommen worden. In der Folge waren in mehreren anderen Maschinen schwere Mängel gefunden worden. Letzte Woche hatte die US-Luftfahrtbehörde FAA nach einer sechswöchigen Untersuchung einen Bericht vorgelegt, der Boeing mehrere Verstöße in der Qualitätskontrolle nachwies. Nun hat der Konzern 90 Tage zum Nachjustieren.

Dass die Probleme nicht Vergangenheit sind, zeigten die letzten Tage: Am Donnerstag hatte eine Boeing 777 in San Francisco beim Start ein Rad verloren – es war das zweite Mal in diesem Jahr. Am Montag hatte ein „technisches Problem“ dafür gesorgt, dass bei Turbulenzen auf einem Flug nach Auckland 50 Menschen verletzt wurden, mehr als ein Dutzend mussten sogar ins Krankenhaus gebracht werden. 

Suizid Disclaimer

Quellen:BBC, Reuters, AP, CNN

zusammenhängende Posts