Rostock : Shiitake und „Pom Pom“: Pilzernte im früheren Marinebunker

Es ist dunkel, feucht und mit 15 Grad nicht zu kühl. Ideal für jeden Edel-Pilz. Doch im ehemaligen Marinebunker unweit der Ostsee steht nicht der Ernteertrag an erster Stelle. Es geht um die Menschen.

Die etwa 30 Zentimeter hohen Sägespan-Blöcke liegen säuberlich sortiert über drei Etagen auf Drahtgittern in schweren Metallregalen. Als sogenannte Körnerbrut bilden sie den Grundstock für die Pilzzucht, und in Rostock-Markgrafenheide gibt es viele Pilzsorten, die im Dunkeln des ehemaligen Munitionsbunkers der DDR-Volksmarine wachsen und gedeihen. „15 Grad und 90 Prozent Luftfeuchtigkeit“, sagt Sören Schuster. Bessere Lebensbedingungen kann man sich als Edel-Pilz vermutlich nicht wünschen.

Der 49-Jährige ist Leiter eines vierköpfigen pädagogischen Teams in der völlig abgeschieden im Wald liegenden Einrichtung für Beschäftigung und Tagesstruktur. Dort arbeiten Menschen mit seelischen Beeinträchtigungen. Krankheitsbilder sind unter anderem Schizophrenie, Depressionen oder Angststörungen. Die Bio-Edelpilzmanufaktur ist nur ein Arbeitsangebot neben der Waldgärtnerei sowie der Unterhaltung mit Hege und Pflege des Waldbestandes auf dem etwa 35 Hektar großen, vom Stadtforst gepachteten Gelände.

Den Ertrag der Pilzernte wissen Gastronomen in der Umgebung zu schätzen, wie Schuster berichtet. Auch im Hofladen werden die in einem separaten Kühlraum gelagerten Pilze verkauft. Überschaubare 1,75 Euro für 100 Gramm. Im Angebot: Japanische Stockschwämmchen (Nameko), die puschelige Rarität „Pom Pom blanc“, auch Igelstachelbart oder Löwenmähne genannt. Auch Samthauben, der „König der Heilpilze“ und Vitamin-D2-starke Shiitake, Austern- und Kräuterseitlinge und weiße Buchenpilze sprießen aus den Blöcken empor. Aber nicht alle Sorten sind immer im Hofladen erhältlich und zu kaufen, so ist das bei Naturprodukten.

Für die richtige Ernte stehen die wichtigsten Schritte noch mal an Plakaten an den Betonwänden. „Nicht rubbeln“ steht etwa beim Weißen Buchenpilz. Andere Sorten werden dagegen zum Wachstum angeregt, wenn man die anfangs in Plastik umwickelten Blöcke mit dem Substrat zum richtigen Zeitpunkt reibt.

Die Wochenernte liegt bei etwa 60 Kilogramm Edelpilzen. Reich wird man damit nicht. „Eher plus minus null“, so Schuster. Aber bei der Einrichtung der Gesellschaft für Gesundheit und Pädagogik mbH (GGP) in Markgrafenheide geht es eben auch nicht um Gewinnmargen. Die Einnahme decken die Aufwandsentschädigungen für die Beschäftigten, die oft nur drei Stunden arbeiten können. Sie suchen das, was sie in der Pilzmanufaktur in der Rostocker Heide finden: „Hier ist Ruhe“, sagt Schuster.

Der Träger GGP beschäftigt insgesamt rund 750 Mitarbeiter und betreibt zahlreiche stationäre, teilstationäre und ambulante Einrichtungen. Insgesamt sind es 56 in Rostock, dem Landkreis Rostock und dem Kreis Mecklenburgische Seenplatte. Dazu zählen unter anderem Kindertagesstätten, Praxen, Tageskliniken und therapeutische Wohngemeinschaften.

Pilzmanufaktur

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