Klimaziele 2030: Deutschlands CO2-Emissionen: Das sind die größten Umweltsünder

In Deutschland drehen sich immer mehr Windräder. Das macht sich in den Daten bemerkbar. Minister Habeck hofft nun erstmals, dass der Klimaschutz-Zeitplan einzuhalten ist. Ein Blick auf die Zahlen.

Überraschende und gute Nachrichten: Die Treibhausgasemissionen in Deutschland sinken deutlicher als erwartet. Der Haken: Es liegt hauptsächlich an der schwachen Konjunktur. Wie das Umweltbundesamt am Freitag bekanntgab, ist die Erreichung der Klimaziele 2030 „in Sicht“. „Wenn wir jetzt weiter hart daran arbeiten und bis 2030 weitermachen, ist die Klimaneutralität 2040 zu erreichen“, sagte Umweltbundesamts-Präsident Dirk Messner. Die Zahlen zeigten, dass Klimaschutz gelingen könne, betonte Vize-Kanzler Robert Habeck (Grüne), auch wenn der Rückgang an CO2-Emissionen auch mit einem Schrumpfen der energieintensiven Produktion in Deutschland zu begründen sei.STERN PAID Klima-Kipppunkte 8.37

„Wir haben im Jahr 23 durch die hohen Energiepreise und die Energiekrise nicht ausreichendes Wachstum gehabt“, sagte Habeck. „Deswegen ist das nichts, worauf man wirklich stolz sein kann.“ Insbesondere in der Energiewirtschaft entstanden deutlich weniger Treibhausgase als in den Vorjahren. Das Umweltbundesamt führt dies auf eine geringere Nutzung fossiler Brennstoffe wie Braun- und Steinkohle sowie Erdgas zurück. Zudem wurden die erneuerbaren Energien weiter ausgebaut und weniger Energie verbraucht.

Deutlicher Rückgang beim CO2

2023 sanken die Emissionen gegenüber dem Vorjahr um mehr als zehn Prozent. Vor allem der Energiesektor trägt massiv zu den Einsparungen bei. Rückläufig ist der CO2-Ausstoß auch in der Industrie.

Im Gebäudesektor wurden wegen milder Witterung und privater Energiesparmaßnahmen weniger Treibhausgase ausgestoßen, die Ziele jedoch leicht verfehlt. Die Projektionen zeigten, „dass die Richtung stimmt und die Energiewende im Gebäudesektor deutlich an Fahrt aufgenommen hat“, betonte Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD).

Das „Sorgenkind des Klimaschutzes“ bleibe der Bereich Verkehr, sagte Messner. Der lediglich minimale Rückgang in diesem Sektor könne nur durch deutlich größere Rückgänge in anderen Bereichen kompensiert werden. Vor allem die Entwicklung der E-Mobilität hänge noch hinter den Erwartungen zurück, sagte Messner. Außerdem seien die internationalen Flüge von und nach Deutschland wieder auf Vor-Pandemie-Niveau angekommen.FS Klimajahr 2023 in Bildern – Extrem ist das neue Normal 15.12

Habeck: „auf Kurs bleiben“

Die projizierten Treibhausgasemissionen bis 2030 weisen insgesamt einen Rückgang um knapp 64 Prozent im Vergleich zu 1990 auf. Im Bericht von 2021 war dagegen nur eine Minderung um 49 Prozent erwartet worden. Habeck betonte, dass Deutschland so „sogar unter den Vorgaben“ liege und rief die Gesellschaft dazu auf, „auf Kurs zu bleiben“. Der Ausbau der erneuerbaren Energien sei eine „Erfolgsgeschichte“.

Allerdings sind die jüngsten Einsparungen infolge des Karlsruher Haushaltsurteils und die möglichen Auswirkungen auf Klimaschutzmaßnahmen noch nicht in der Projektion berücksichtigt.

Anteil erneuerbarer Energien wächst

Die eigentliche Verbesserung gibt es aber beim jährlich erwarteten Ausstoß an Treibhausgasen bis zum Jahr 2030. Auch dafür gibt es Zielwerte im Bundesklimaschutzgesetz. Hier kam es laut den bisherigen Berechnungen zu einer Überschreitung von insgesamt 1100 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten. Mit dieser Größe werden verschiedene Treibhausgase vergleichbar gemacht. Nun erwartet das Umweltbundesamt, dass Deutschland bis 2030 insgesamt 47 Millionen Tonnen CO2 weniger verbraucht als gesetzlich vorgesehen.

Das Klimaschutzministerium begründet den erfreulicheren Ausblick mit Fortschritten beim Klimaschutz und dem Ausbau der erneuerbaren Energien. Messner sagte, durch die Maßnahmen zum Ausbau erneuerbarer Energien werde es immer wahrscheinlicher, dass Deutschland sein Ziel erreichen, im Jahr 2030 insgesamt 80 Prozent des Stromverbrauchs etwa aus Wind und Sonne abzudecken. Zudem werde Kohle wieder stärker durch das weniger klimaschädliche Gas ersetzt – hier sei man im vergangenen Jahr nach der „Preisexplosion“ infolge des Russlandkriegs noch skeptischer gewesen.

Allerdings beruhen die Berechnungen auf teils inzwischen überholten Annahmen. So konnten nur Daten bis zum Oktober berücksichtigt werden, wie Messner sagte. Die später von der Ampel-Koalition unter Spardruck vereinbarten Kürzungen beim für den Klimaschutz wichtigen Geldtopf Klima– und Transformationsfonds (KTF) sind damit noch nicht berücksichtigt. Darauf wies auch der Obmann der CDU/CSU im Ausschuss für Klimaschutz und Energie, Thomas Gebhart (CDU) hin, der die Projektionsdaten „unrealistisch“ nannte. Habeck sagte zu den Kürzungen im KTF, diese beträfen in erster Linie andere Bereiche wie Bahn und Bau.

Zum Teil beruhen die Berechnungen aber auch auf – zumindest für den Klimaschutz – ungünstigeren Annahmen über die Zukunft. So gingen die Experten für das laufende Jahr noch von einem Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent aus. Inzwischen rechnet die Bundesregierung mit einem Plus von 0,2 Prozent.

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