Krankenversicherung: Barmer: Gesundheits-Apps im Norden noch wenig genutzt

Apps auf dem Mobiltelefon unterstützen die Menschen zunehmend im Alltag. Gesundheits-Apps auf Rezept werden laut der Barmer-Krankenkasse aber noch wenig genutzt.

Ob in der Freizeit, beim Sport oder in der Kommunikation: Apps können den Menschen bei alltäglichen Aufgaben unterstützen. Doch in der Gesundheitsfürsorge in Schleswig-Holstein werden die digitalen Mittel bisher selten genutzt. Zu diesem Schluss kommt eine von der Krankenkasse Barmer vorgelegte Nutzeranalyse. Dabei können Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGa) seit 2020 per Rezept auf Kassenkosten verordnet werden.

„Ziel der digitalen Helfer ist es, Erkrankungen und damit verbundene Beschwerden zu lindern. Die Verordnungszahlen zeigen jedoch, dass DiGa noch nicht in der medizinischen Versorgung angekommen sind“, sagte Bernd Hillebrandt, Landesgeschäftsführer der Barmer in Schleswig-Holstein. Nach seinen Angaben ergaben Hochrechnungen auf Basis von Daten des Barmer-Arztreports, dass für den Zeitraum 2020 bis 2022 im nördlichsten Bundesland etwa 13.000 Mal eine solche App auf Rezept verordnet wurde. Genutzt würden die DiGas zu 70 Prozent von Frauen.

Helfen sollen sie etwa bei Diabetes, Tinnitus, Schlafstörungen, Adipositas, Reizdarm, Kniebeschwerden oder Depressionen. Mit durchschnittlich 293 DiGA-Verordnungen je 100.000 Einwohner rangiere Schleswig-Holstein im Ländervergleich hinter Nordrhein-Westfalen an vierter Stelle. Vor allem die Stadtstaaten Berlin und Hamburg hätten mit 337 bzw. 328 Verordnungen bundesweit die höchste Nutzungsrate.

„Offenbar werden DiGa in Städten und Ballungsräumen öfter verordnet als in ländlich geprägten Gebieten“, erklärte Hillebrandt. In Schleswig-Holstein spiele daher die Nähe zu Hamburg eine Rolle. Es ist seiner Ansicht nach bedauerlich, dass Apps auf Rezept, die theoretisch Versorgungslücken schließen könnten, bislang anscheinend weniger verordnet werden.

Doch auch in Schleswig-Holstein zeichne sich bei aller Zurückhaltung der Ärzte ein Anstieg ab. So habe sich etwa die Gesamtzahl der Verordnungen von rund 4300 im Jahr 2021 auf 8655 im Folgejahr ungefähr verdoppelt. Zudem seien spätestens mit einem Generationswechsel bei den Patientinnen und Patienten sowie bei den behandelnden Ärztinnen und Ärzten eine deutliche Steigerung der Nutzungszahlen bei DiGas zu erwarten. Der Landesgeschäftsführer der Barmer betonte: „Das Thema DiGa nimmt Fahrt auf. Das ist sehr positiv, denn die digitalen Anwendungen bieten eine echte Chance, die medizinische Versorgung auch in ländlichen Gebieten zu unterstützen.“

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