Konflikte: Hamas-Parole prangt im Münchner Olympiadorf

Die wohl bekannteste Parole der Terrororganisation Hamas gilt in Deutschland als verbotenes Kennzeichen. Dennoch prangt sie unübersehbar an einem Münchner Haus – an einem besonders sensiblen Ort.

Mitten im Münchner Olympiadorf, wo während der Olympischen Spiele 1972 ein palästinensisches Terrorkommando die israelische Mannschaft überfiel und insgesamt elf Sportler ermordete, prangt derzeit an einem Wohnhaus eine von der islamistischen Terrororganisation Hamas verwendete Parole. Die Generalstaatsanwaltschaft München habe deshalb durch den Zentralen Antisemitismusbeauftragten der Bayerischen Justiz, Andreas Franck, ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, schilderte die Anklagebehörde am Donnerstag. Über den arabischen Schriftzug hatte zuerst die „Bild“-Zeitung berichtet.

Die gelben Schriftzeichen auf blauem Grund sind an der Fassade eines Appartements in genau jener Straße montiert, in der damals der Überfall stattfand. Man habe aufgrund einer Anzeige bereits am 8. März ein Verfahren wegen des Verdachts des Verwendens von Kennzeichen terroristischer Vereinigungen eingeleitet, erläuterte die Generalstaatsanwaltschaft. Die Bayerische Justiz verfolge die Verwendung der Parole der Terrororganisation Hamas, „From the River to the sea Palestine will be free“ als Straftat, ähnlich wie etwa das öffentliche Verwenden des Hakenkreuzes. Die Ermittlungen richteten sich bisher gegen eine oder mehrere unbekannte Personen, ergänzte der Sprecher.

Während der Olympischen Sommerspiele in München hatte ein palästinensisches Terrorkommando der Organisation Schwarzer September einen Anschlag auf die israelische Mannschaft verübt. Beim Überfall auf deren Unterkunft im Olympischen Dorf töteten die Attentäter am 5. September 1972 zwei Athleten und nahmen neun weitere Sportler als Geiseln. In der darauffolgenden Nacht scheiterte ein von den deutschen Behörden unternommener Befreiungsversuch auf dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck: Alle israelischen Sportler und ein deutscher Polizist wurden von den Terroristen ermordet. Auch fünf der insgesamt acht Attentäter starben.

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