Manipuliertes Foto: Kate-Gate: Die Prinzessin hat ihr Hobby zum Beruf gemacht – warum das keine gute Idee war

Agenturen und Medien reißen sich um die Fotos der zukünftigen Königin – ein Privileg, von dem manch professioneller Fotograf nur träumen kann. Womöglich ist ihr das zu Kopf gestiegen. Geschichte einer gescheiterten Karriere.

Man kann nur ahnen, welches Drama der Skandal um Prinzessin Kates dilettantischen Photoshop-Job diese Woche hinter den Mauern von Kensington Palace ausgelöst hat. Vermutlich war das Gefluche aus der Presseabteilung bis in den benachbarten Hyde Park zu hören. Köpfe dürften gerollt sein, im rein übertragenen Sinne, versteht sich. Und all das wegen einer kranken, frustrierten Prinzessin, die am Computer ihrem Hobby gefrönt hatte.

Das Leben im königlichen Haushalt ist einsam, wie Eingeheiratete von Prinzessin Diana bis Meghan Markle schmerzlich erfahren mussten. In der Situation ist es gut, ein Hobby zu haben, doch hier wird es problematisch. Die meisten praktischen Fähigkeiten und Talente, die man aus der Außenwelt dorthin mitbringt, sind relativ nutzlos, es sei denn, man ist in einem Film aus dem 19. Jahrhundert aufgewachsen. Reiten und Pferdezucht, Polo, Malerei oder für die Damen Kreuzstich dürften im Palast zu den akzeptablen Zeitvertreiben gehören. Seit Lord Snowdon, zu Lebzeiten Ehemann von Prinzessin Margaret, ist auch die Fotografie ein anerkanntes Hobby – die Schauspielerei hingegen ist es seit Markle definitiv nicht mehr. Sicher, Queen Elizabeth II. konnte Lastwagenmotoren reparieren, aber das war im Zweiten Weltkrieg und nur deshalb ausnahmsweise erlaubt.

Geschichte royaler Bildbearbeitung 18.37

Kate interessierte sich früh für Fotografie

In dieser wie in vieler anderer Hinsicht war Kate Middleton die perfekte Braut für Prinz William und das Königshaus. Sie hatte praktisch keinerlei Berufserfahrung, aber viel Vernunft. Noch dazu kam sie von einer Top-Privatschule, wo man Lacrosse und Hockey spielte und Latein und Manieren lernte. Und sie hatte eins der vom Palast anerkannten Steckenpferde: die Fotografie.

Es gibt zwei Versionen davon, wann genau die Prinzessin von Wales ihre Passion für die Fotografie entdeckte. Die eine geht so: Ihr Großvater, Peter Middleton, sei ein talentierter Amateurfotograf gewesen, erzählte die Kuratorin der Historic Royal Palaces einmal. „Er zeigte ihr, wie man eine Kamera bedient.“ 

Die andere Version ist die, die Kate selbst erzählte, als sie im vergangenen Herbst eine Universität in Nottingham besuchte. Dort erinnerte sie sich an ihre eigene Studentenzeit zurück und die vielen Möglichkeiten, sich auszuprobieren. „Ich besuchte den Fotografie-Klub der Universität in St. Andrews, wo ich ein Hobby entdeckte, das mir bis heute Spaß macht“. 

Kate fotografierte Produkte für die Firma ihrer Mutter

An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass die Klubs an britischen Universitäten weniger Orte des Lernens als vielmehr Vorwände für Pub-Besuche und wilde Partys sind. Doch vielleicht lernte Kate dort wirklich etwas; nach dem Studium, als sich William mit dem Heiratsantrag Zeit ließ und die britische Presse sie bissig „Waity Katy“ – die wartende Katy – nannte, arbeitete sie beim Party-Versand von Mama Middleton und machte dort Produktfotos von der Tischdekoration. 

Rätsel um Prinzessin Kate 18.38

Auch nach der Hochzeit 2011 hatte sie ihre Kamera, eine Canon EOS 5D, oft dabei, unter anderem auf einer ihrer ersten offiziellen Reisen nach Malaysia. Die Fotos, in künstlerischem Schwarz-Weiß gehaltene Landschaften, wirkten eher zufällig, doch Buckingham Palace veröffentlichte sie dennoch stolz auf der eigenen Webseite.

2016 wird Kate Ehrenmitglied der Royal Photographical Society

Mit der Geburt der eigenen Kinder fand Kate dankbarere Motive. Ihre Bilder von George, Charlotte und Louis sind tatsächlich gut, wenn auch auf eine rührend altmodische Weise. 2016 verlieh ihr die Royal Photographic Society die Ehrenmitgliedschaft auf Lebenszeit in Anerkennung ihres „langjährigen Interesses an Fotografie“. Sie zeige „Talent und Enthusiasmus als Amateurfotografin“, hieß es. Kate nahm geschmeichelt an. Vor allem professionelle Fotografen waren nicht erbaut. „Das soll wohl ein Scherz sein? Es gibt Millionen besserer Fotografen“, schrieb damals einer von ihnen empört auf Twitter. Kate fand einen unerwarteten Verteidiger ihrer Fotografie in Jonathan Jones, dem gefürchteten Kunstkritiker des linken „Guardian“. Ihre Fotos seien „gut“ und „voll von Liebe“, schrieb er 2017 zur allgemeinen Überraschung. „Ihre Porträts sind stark und charaktervoll, so, wie sie nur eine Mutter fotografieren kann.“

Übrigens ist das mit dem „langjährigen Interesse an Fotografie“ nicht einmal übertrieben. Ihre Abschlussarbeit im Studium der Kunstgeschichte in St. Andrews hatte Kate zum Thema „Die Kinderfotografien von Lewis Carroll“ geschrieben. Carroll war der im 19. Jahrhundert lebende Autor von Kinderbüchern wie „Alice im Wunderland“. 

„Natürliches Talent für Fotografie“

Den britischen Zeitungen war es ohnehin egal, was die Fachwelt über Kates Fotos sagte. Das Interesse der Briten vor allem an den jüngsten Mitgliedern der königlichen Familie ist unersättlich, und Kates Fotos wurden vom Palast als offizielle Bilder gratis an die großen Nachrichtenagenturen verteilt. Jedes ihrer Fotos schaffte es auf die Titelseiten des „Daily Telegraph“, der „Times“ und der „Daily Mail“, die Begleittexte schwärmten vom „natürlichen Talent“ der Prinzessin. Vermutlich schaute schon vor Jahren der ein oder andere Bildredakteur naserümpfend auf die Metadaten der vom Palast gelieferten Bilder, aber wer wollte schon öffentlich die Photoshop-Kompetenz der Gattin des künftigen Königs kritisieren? 

Kommentar Kate Foto 17.12

Es war naheliegend, dass Königin Elizabeth II. 2019 ihre Schirmherrschaft der Royal Photographical Society an Kate vererbte. Kate zeigte sich dieser Ehre mehr als würdig: In der Pandemie kuratierte sie ein inspiriertes Fotoprojekt unter dem Titel „Hold Still“, das Amateur- und professionelle Fotografen aus dem ganzen Königreich zusammenbrachte. Ein Jahr später fotografierte sie für eine Ausstellung der Society zwei Überlebende des Holocaust mit ihren Familien, die Bilder gehören zu ihren besten. In der Ausstellung „Life Through a Royal Lens“ im Sommer 2022 in London waren mehrere Kinderfotos von ihr zu sehen, im selben Jahr fotografierte sie Queen Camilla für den Titel des Magazins „Country Life“. 

Das Titelfoto des Magazins „Country Life“ fotografierte Prinzessin Kate 2022. „Sie ist sehr talentiert“, sagte Queen Camilla

Keine Frage: Das Engagement und die Leidenschaft der Prinzessin von Wales für Fotografie als Kunstform sind echt. Es sei ihr daher verziehen, dass sie ihre Position ausnutzt, ihre eigenen Fotos prominent zu platzieren. Dass Kate ausgerechnet jetzt über einen stümperhaften Photoshop-Job stolpern musste, weil sie und ihr Umfeld nicht verstanden, dass es bei dem manipulierten Bild auf Authentizität ankam, ist tragisch. Im Zeitalter von Instagram würde man ihr gern den Rat geben: Das nächste Mal – #noedit, #nofilter.

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