Formel 1: „Papa ist kein Lügner“: Verstappen und die Red-Bull-Affäre

Sportlich hat Max Verstappen die Formel 1 auch dieses Jahr im Klammergriff. Doch der Skandal um seinen Teamchef, die Rolle seines Vaters und Wechselgerüchte bringen den Weltmeister in Erklärungsnot.

Im Auge des Red-Bull-Sturms vermisst Max Verstappen die Ruhe. Auch vor dem zweiten Formel-1-Saisonlauf in Saudi-Arabien umtosen den Triple-Champion die Fragen zur Affäre um seinen Teamchef Christian Horner und die Spekulationen um seinen möglichen Abschied vom Weltmeister-Rennstall.

„Es wäre wichtig, dass wir endlich mal über unser tolles Auto sprechen, das erwähnt kaum mal jemand“, sagte Verstappen fast flehend bei seiner Medien-Audienz vor dem Grand Prix in Dschidda am Samstag (18.00 Uhr/Sky). Für Verstappen ist der anhaltende Wirbel ein lästiges Ärgernis auf dem Weg zum vierten Titel in Serie. Seine erdrückende Dominanz der vergangenen Saison, als er 19 der 22 Rennen gewann, setzte sich auch beim Saisonauftakt in Bahrain fort. Um mehr als 22 Sekunden distanzierte er in Sakhir seinen Teamkollegen Sergio Pérez, das sind Welten in der Formel 1. Schon jetzt muss die Rennserie einen weiteren Titel-Langweiler einplanen.

Attacken von Verstappen-Vater gegen Teamchef

Umso mehr richten sich die Scheinwerfer auf die Geschehnisse abseits der Strecke. Die Seifenoper um Red-Bull-Rennleiter Horner, die Giftpfeile von Papa Jos, die rasenden Gerüchte um Gespräche über einen Wechsel zu Mercedes – all das nervt einen wie Verstappen, den eigentlich nur das pure Rennfahren interessiert. „Wir sollten all das hinter uns lassen, was jeder in Bahrain so gesagt hat“, mahnte der 26-Jährige eher vergebens.

Weil Vater Jos, ein Mann mit bisweilen rabiaten Ansichten, nicht mehr mit Teamchef Horner kann, wird auch Gegenwart und Zukunft des Sohnes bei Red Bull hinterfragt. „So kann es nicht weitergehen, die Situation wird explodieren“, motzte Jos Verstappen, ein früherer Formel-1-Teamkollege von Michael Schumacher, in Richtung Horner und schickte eine ziemlich unverhohlene Rücktrittsforderung mit. Filius Max habe Kenntnis von diesen Ansichten, versicherte der 52-Jährige. 

„Grundsätzlich kann man Dinge klären“

„Ich bin der Sohn meines Vaters. Es wäre seltsam, wenn ich auf einer anderen Seite stehen würde“, sagte Max Verstappen nach einer kurzen gemeinsamen Auszeit in Dubai. „Mein Vater und ich sind sehr eng, wir sprechen jeden Tag“, ließ er wissen. Jos Verstappen äußere sich eben sehr freimütig und habe die Lage bei Red Bull genau so eingeschätzt. „Mein Papa ist kein Lügner“, betonte Verstappen.

Dritter im Bunde ist sein Manager Raymond Vermeulen, der Verstappen seit langem begleitet. Der Berater traf sich zu Wochenbeginn Medien zufolge mit Horner zur Aussprache. Will der Teamchef langfristig im Amt bleiben und seinen Chefpiloten behalten, wird er auch die Beziehung zu Vater Jos und Vermeulen ins Lot bringen müssen. „Ich sehe mich nicht in der Formel 1 ohne sie an meiner Seite“, sagte Max Verstappen. Er meint aber: „Grundsätzlich kann man Dinge immer klären. Dafür ist jeder Manns genug.“

Verstappen kontert Mercedes-Gerüchte

Dass sein Vater in Bahrain bei Gesprächen mit Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff gesichtet wurde, heizte dennoch prompt die Abwanderungsgerüchte an. Sogar der einflussreiche Red-Bull-Berater Helmut Marko, der Verstappens Karriere förderte und intern zu Horners Widersachern gerechnet wird, bezeichnete die Mercedes-Theorie beim Sender oe24 als „eine interessante Variante“.

Max Verstappen beteuerte jedoch, er habe derzeit keine Absicht, aus seinem noch bis ins Jahr 2028 laufenden Vertrag bei Red Bull auszusteigen. „Ich weiß, was sie für mich getan haben in meiner Karriere. Die Absicht ist absolut, bei diesem Team zu bleiben“, sagte der Titelverteidiger. Kleine Einschränkung: „So lange wir unsere Leistung bringen, gibt es keinen Grund zu gehen.“

Heißt: Wenn Red Bull Verstappen weiter mit einem Siegerauto versorgt und der Lärm um den Machtkampf im Team sich bald legt, bleibt der Superstar dem Rennstall treu. „Es wäre gut, wenn wir als Team weniger über die Dinge sprechen, die außerhalb der Strecke liegen“, forderte Verstappen. Dieser Wunsch dürfte auch in Saudi-Arabien unerfüllt bleiben.

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