Wenig Sport, viele Intrigen: Sex, Macht, Durchstechereien: Die Formel 1 zeigt mal wieder ihr schmutziges Gesicht

In der Formel 1 bestimmen ein Machtkampf um Fia-Präsident Ben Sulayem und die Red-Bull-Affäre die Agenda – und beide werden immer schmutziger, während die Saison sportlich erneut langweilig zu werden droht.

Machtkämpfe und Intrigen überall: Würden Außerirdische vom Mars oder sonst woher einen Abstecher zur Erde machen, um sich ein spannendes Rennen in der Formel 1 anzuschauen, sie wären wahrscheinlich bitter enttäuscht, wenn es nur um das Sportliche ginge. Sie wären dann zum Saison-Auftakt nach Bahrain geflogen und hätten erleben müssen, wie der Weltmeister von 2021, 2022 und 2023, der Niederländer Max Verstappen, auch das Auftaktrennen zur neuen Saison gnadenlos dominierte: Schnellster im Qualifying, Schnellster im Rennen vom Start weg, alles so wie immer, während sich die bemitleidenswerte Konkurrenz dahinter um die Plätze balgte.

Der Kampf um den WM-Titel scheint, wenn man das erste von 24 Rennen (die längste Saison der Geschichte) als Maßstab nimmt, kaum Unterhaltung zu bieten. Sicher, die Konkurrenz von Mercedes und Ferrari wird ihre Autos während der Saison immer wieder updaten, um den Abstand auf den Platzhirschen Red Bull zu verringern. Es wird dann viel von Hoffnung und Chancen die Rede sein. Dumm nur, dass das britisch-österreichische Team genauso weiter an seinem Auto RB20 herumschraubt. Das Ende vom Lied wird sein, dass es höchstens geringfügige Verschiebungen innerhalb des Machtgefüges gibt. Seit Jahren gilt in der Formel der alte Spruch: Gewinner erkennt man am Start.Formel-1-Start: Auf diese Fahrer sollten sie am meisten achten16:53

Dennoch hätten sich die Außerirdischen beim Besuch des Rennens prächtig amüsiert, ganz einfach, weil sie so viele Geschichten von Neid und Missgunst gehört hätten, die es allein schon wert sind, die Formel 1 aktuell zu verfolgen. Solche Geschichten waren schon immer Teil des Rennsports, doch diesmal stehen zwei der mächtigsten Männer der Formel 1 im Mittelpunkt. Das hat es in dieser Form vorher nicht gegeben.

Eine übergriffige Liebesaffäre und ein Daten-Leak in der Formel 1

Da wäre zum ersten die Affäre um Red-Bull-Teamchef Christian Horner. Der verheiratete Brite, 50 Jahre alt, leistete sich offenbar eine Liebesaffäre mit einer Angestellten von Red Bull. Die Frau empfand die Beziehung irgendwann als übergriffig, Horner soll sie in Textnachrichten und mit Fotos bedrängt haben, so dass sie sich intern beschwerte. Die niederländische Zeitung „De Telegraaf“ machte den Fall öffentlich, seitdem herrscht Hauen und Stechen. Red Bull beauftragte einen (angeblich) neutralen Anwalt, die Angelegenheit zu untersuchen. Das Ergebnis: Die Vorwürfe rechtfertigen keine Entlassung Horners. Die „dritte Person“, wie es offiziell heißt, habe die Möglichkeit, in Berufung zu gehen. Horner streitet bis heute jedes Fehlverhalten ab. Der Untersuchungsbericht des Anwalts wird bislang von Red Bull unter Verschluss gehalten, wegen der Persönlichkeitsrechte der Betroffenen, heißt es.

Die nächste Eskalationsstufe folgte prompt: Ein Anonymus verschickte eine E-Mail mit 79 Dateien an Journalisten und Teamchefs. Darin enthalten: Auszüge aus den angeblichen Whatsapp-Chats und Fotos. Ob sie echt sind, ist nicht überprüfbar. Nun wusste also die ganze Welt, was für anzügliche Kurznachrichten Horner seiner Geliebten angeblich geschrieben hatte. Der wiederum zeigte sich mit Ehefrau Geri Halliwell (ehemaliges Spice Girl, das auch noch) beim Grand Prix in Bahrain Händchen haltend. So mancher Beobachter fragte sich, was das sollte? Der Auftritt wirkte absurd.

Gleichzeitig goss der Vater von Red-Bull-Pilot Max Verstappen weiter Öl ins Feuer. Jos Verstappen sah das Team vor dem Untergang, falls Horner nicht zurücktreten würde. Ein öffentlicher Affront. Jos Verstappen gilt seit jeher als Gegner Horners, Sohn Max hielt sich mit Statements vornehm zurück, stellte sich aber auch nicht vor den Teamchef, unter dem er drei WM-Titel gewann.

Red Bull ist in zwei Lager gespalten

Im Hintergrund soll es zwei Lager bei Red Bull geben. Zum Team Horner gehört demnach die thailändische Eigentümer-Familie Yoovidhya, die mit 51 Prozent die Mehrheit hält. Die Familie soll maßgeblich dafür gesorgt haben, dass Horner im Amt bleibt. Auf der anderen Seite steht das Team Verstappen, zu dem Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko gehört, das Horner angeblich ebenfalls loswerden will. Sofort kamen Gerüchte um Max Verstappen auf, er wolle Red Bull verlassen und zu Mercedes fliehen. Die Verstappens und Marko dementierten das nicht.

Die anderen Formel-1-Bosse machten Druck auf den Motorsport-Weltverband, die Angelegenheit aus der Welt zu schaffen. Sie schade der Formel 1. Gewünschter Nebeneffekt: Sie würden sich eines starken Konkurrenten entledigen. Horner ist seit 19 Jahren im Amt und gewann sieben Fahrer- und sechs Konstrukteurstitel. Ausgang offen.

Die andere Story betrifft den Präsidenten des Motorsport-Weltverbandes Fia, Mohammed Ben Sulayem. Sie schwelt seit Jahren, flackert in schöner Regelmäßigkeit auf und steuert aktuell auf einen Höhepunkt zu. Wie jüngst durch eine anonyme Quelle (!) durchsickerte, ermittelt die Ethik-Kommission der Fia gegen den eigenen Chef und weitere führende Mitglieder. Die Fia sah sich gezwungen, den Vorgang zu bestätigen. 

Fia-Präsident liefert sich Dauerfehde mit Teamchefs

Es geht um zwei Vorwürfe: Einmal soll sich Ben Sulayem in eine Entscheidung der Rennkommissare beim letztjährigen Rennen in Dschidda eingemischt haben. Die hatten Fernando Alonso, einer der großen Stars des Rennzirkus, eine Zeitstrafe aufgebrummt, die ihn den dritten Platz in Saudi-Arabien kostete. Ben Sulayem soll dafür gesorgt haben, dass die Strafe zurückgenommen wird. Der zweite Vorwurf klingt genauso ungeheuerlich. Der Mann aus Dubai habe angeblich versucht, den Grand Prix von Las Vegas zu sabotieren. Er soll den Streckeninspektoren nahegelegt haben, die Piste nicht freizugeben. Die fanden aber keine Beanstandungen. Seltsamerweise war während des ersten freien Trainings ein Gullydeckel so locker, dass er einen Ferrari und einen Alpine stark beschädigte. Der Sicherheitsmangel sorgte damals für viel Aufregung.

Eine Verzögerung oder gar Absage wäre ein Horrorszenario für die Formel 1 gewesen. Den Grand Prix in Las Vegas haben sich die Rechte-Inhaber von Liberty Media viele Millionen Dollar für Grundstücke und Infrastruktur kosten lassen. Las Vegas soll das prestigeträchtige Glitzer-Ereignis schlechthin werden, ein neues Monte Carlo.

Der Emirati befindet sich seit seinem Amtsantritt 2021 in einer Dauerfehde mit der Formel 1 und den meisten Teamchefs. Grund ist: Ben Sulayem wollte einen elften Rennstall zulassen, Andretti Global aus den USA. Das lehnten die anderen Rennställe ab (es braucht ihre Zustimmung). Es hätte sie Geld gekostet, weil dann ein Partner mehr an den Gesamteinnahmen beteiligt gewesen wäre. Seitdem bekriegen sie die beiden Parteien. Ben Sulayem zweifelte öffentlich den Wert der Formel 1 an, was für viel Aufregung sorgte, und er initiierte Fia-Ermittlungen gegen Mercedes Teamchef Toto Wolff und dessen Ehefrau Susie wegen Geheimnisverrats, neben Horner der mächtigste und erfolgreichste Teamchef in der Formel 1. Zwei Tage später stellte der Weltverband die Sache ein, nachdem alle anderen Teams protestiert hatten. 

Die Untersuchung der Ethikkommission wird einige Wochen dauern, bevor ein Ergebnis vorliegt. Bis dahin bleibt die Formel 1 zumindest außerhalb der Strecke spannend.

Quellen: DPA, „BBC„, „Süddeutsche Zeitung„, „Motorsport total„, „Auto Motor Sport

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