Tarifkonflikt im Einzelhandel: HDE empfiehlt freiwillige Lohnsteigerungen

Mitten in den teilweise schon seit elf Monaten laufenden Tarifverhandlungen im Einzelhandel hat der Handelsverband Deutschland (HDE) seinen Mitgliedsunternehmen erneut eine freiwillige vorgezogene Lohnsteigerung empfohlen. „Ab dem neuen Tarifjahr sind damit Anhebungen der Tarifentgelte bis zur Obergrenze von maximal zehn Prozent möglich“, erklärte der HDE am Mittwoch in Berlin. Erste Unternehmen reagierten bereits.

Das neue Tarifjahr im Einzelhandel beginnt je nach Bundesland unterschiedlich – in den meisten aber in den kommenden Monaten. In Baden-Württemberg etwa fängt es am 1. April an, in Nordrhein-Westfalen am 1. Mai, wie ein Verbandssprecher erläuterte.

Der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi warf der HDE eine Blockadehaltung vor. Nach mehr als 60 Verhandlungsrunden bundesweit seien die Arbeitgebervertreter zu der Auffassung gelangt, „dass Verdi leider keinerlei Interesse an einem zeitnahen Abschluss im Einzelhandel hat“, erklärte HDE-Tarifgeschäftsführer Steven Haarke. 

Schon im Oktober hatte der HDE den Unternehmen des Einzelhandels eine Lohnsteigerung empfohlen, damals von 5,3 Prozent. Rechtlich bindend ist die Empfehlung jedoch nicht, sie richte sich an Unternehmen, die es sich „leisten können“, so der Verband. Bei einem Tarifabschluss seien die freiwillig eingeführten Lohnsteigerungen vollständig anrechenbar. 

Die Schwarz Gruppe mit Kaufland und Lidl kündigte am Mittwoch an, die Empfehlung umzusetzen und das Tarifentgelt freiwillig zu erhöhen. Ab dem Tarifjahr 2024 ergebe sich eine Steigerung von zehn Prozent. 

Verdi fordert für die Beschäftigten im Einzelhandel eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 2,50 Euro in der Stunde; für die unteren Beschäftigtengruppen eine Erhöhung des Stundenlohns auf 13,50 Euro bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Laut HDE entspräche das einer Lohnerhöhung von 15 Prozent. Die Arbeitgeber bieten demnach Lohnsteigerungen von rund zehn Prozent über eine Laufzeit von zwei Jahren und eine Inflationsausgleichsprämie von 750 Euro.

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