Mutmaßlicher Brandanschlag: Bei Tesla stehen die Bänder still – wie schützen sich VW, Ford und Co. vor Angriffen?

Mit einem mutmaßlichen Brandanschlag ist es Gegnern von Tesla gelungen, das Werk tagelang lahmzulegen. Es stellt sich die Frage: Welche Maßnahmen können die Autokonzerne ergreifen, damit das nicht passiert?

Für Tesla-Chef Elon Musk sind es entweder „die dümmsten Ökoterroristen der Welt“ oder „Marionetten derer, die keine guten Umweltziele haben“. Gemeint ist die als linksextremistisch eingestufte „Vulkangruppe“, die nach eigenem Bekunden Tesla sabotiert hat – mit erstaunlicher Wirkung.

Durch einen mutmaßlichen Brandanschlag auf einen frei zugänglichen Hochspannungsmast im Landkreis Oder-Spree wurde die Produktion des gesamten Werks zum Erliegen gebracht. Werksleiter André Thierig blieb nichts anderes übrig als die rund 12.000 Beschäftigten nach Hause zu schicken und einen Schaden „im hohen neunstelligen Bereich“ anzukündigen. Thierig rechnete dabei mit einem Ausfall von mehr als 1000 Autos pro Tag und ging von einem Produktionsausfall von mindestens dieser Woche aus.

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Angriffe auf kritische Infrastruktur

In Deutschland fertigen außer Tesla auch zahlreiche andere Hersteller Fahrzeuge. Daimler, BMW, Volkswagen, Opel, Audi, Ford und Porsche bauen eine Vielzahl unterschiedlicher Modelle an diversen Standorten. Nach dem mutmaßlichen Angriff auf Tesla stellt sich die Frage, wie man andernorts verhindern will, dass eine kleine Gruppe böswilliger Personen einen ganzen Standort ausknipsen kann.

Die Konzerne haben darauf unterschiedliche Antworten, auch wenn das Gros nicht über das Thema sprechen will. Auf Anfrage teilt ein Volkswagen-Sprecher mit: „Die Versorgung des Werkes in Wolfsburg wird durch die eigenen Kraftwerks- und Energieverteilungsanlagen sichergestellt. Diese Infrastruktur liegt im Wesentlichen auf dem Werksgelände. Das Werk in Baunatal verfügt ebenso über ein eigenes Kraftwerk. Die Standorte in Emden, Braunschweig, Salzgitter und Hannover werden über das öffentliche Netz versorgt. Bei Fragen rund um die Sicherheit der Infrastruktur außerhalb der Werksgelände unterstützen wir die jeweiligen und verantwortlichen Versorgungsunternehmen, soweit es uns möglich ist.“

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Ford fasst sich kurz und schreibt dem stern: „Unser gesamtes Werkgelände ist weiträumig gesichert, so dass kein Unbefugter Zutritt erlangen kann. Die Zugänge werden durch unseren Werkschutz kontrolliert.“

Nachvollziehbar möchten sich viele andere Hersteller, die der stern ebenfalls um eine Antwort bat, nicht im Detail zu den Vorkehrungen äußern, die man vor Ort trifft, um die Sicherheit der Produktionsstandorte zu gewährleisten. So entgegnete beispielsweise BMW: „Wir äußern uns prinzipiell nicht zu unseren Sicherheitsstrategien“. Gleiches antwortet ein Porsche-Sprecher und schreibt: „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns dazu aus Sicherheitsgründen nicht äußern können“. Nachvollziehbar – es liest schließlich jeder mit.

Politik kündigt hohe Strafen für Angriff auf Tesla an

Klar ist aber auch, dass es sich bei dem mutmaßlichen Brandanschlag auf Tesla keineswegs um eine gewöhnliche Bedrohung handelt, denn den Tätern drohen hohe Strafen. Bundesinnenministerin Nancy Faeser sagte, der Vorfall zeige „eine enorme kriminelle Energie“ und sei „durch nichts zu rechtfertigen“.

Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen fasste die Tat unter dem Begriff „Ökoterrorismus“ zusammen und kündigte in der „Bild“-Zeitung an, dass der Staat „mit Härte“ reagieren werde. Denn der mutmaßliche Brandanschlag traf nicht nur das Tesla-Werk und Tausende Beschäftigte, sondern auch zahlreiche Haushalte, die aufgrund des Schadens „von der Grundversorgung abgeschnitten“ worden seien, so Stübgen weiter. 

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Der Rundfunk Berlin-Brandenburg meldete, dass der Stromausfall in den betroffenen Berliner Stadtteilen seit Dienstagabend behoben sei. Bei Tesla stehen weiterhin die Bänder still – auf einer Pressekonferenz erklärte Werksleiter Thierig, dass er nicht damit rechne, dass die Fertigung in dieser Woche wieder hochgefahren werden könne.

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