Expertin Yael Adler: Wer viel am Bildschirm ist, wird blauem Licht ausgesetzt: Wie schädlich ist das für die Haut?

Wir alle verbringen viel Zeit vor den Bildschirmen unserer Computer und Smartphones, die blaues Licht ausstrahlen. Wie sich das auf unsere Haut auswirkt, erklärt Hautärztin Yael Adler.

Auf immer mehr Gesichtscremes in der Drogerie klebt ein Aufkleber mit der Aufschrift „Anti-Blue-Light-Filter“ oder „Anti-Blue-Light“. Aber macht das künstliche blaue Licht von Smartphone und Co. wirklich die Haut kaputt? Dermatologin Yael Adler klärt im Gespräch mit dem stern über das blaue Licht auf und verrät, warum sie die Anti-Blaulicht-Cremes nicht empfiehlt.

Was ist blaues Licht genau?

Es gibt natürliches und künstlich erzeugtes blaues Licht. Blaues Licht ist neben der UV-Strahlung Teil der Sonnenstrahlung. Es kommt also im Tageslicht vor. Doch auch künstliche Lichtquellen wie Smartphone- oder Computerbildschirme strahlen blaues Licht aus.

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Schädigt blaues Licht die Haut?

Wissenschaftlich ist man sich noch uneins, ob künstliches blaues Licht schädlich für die Haut ist. Bekannt ist aber, dass blaues Licht die Hautalterung beschleunigen kann, fasst Dermatologin Yael Adler den aktuellen Kenntnisstand zusammen. Auch darüber, ob das Bildschirmlicht überhaupt aggressiv ist, gibt es in der Wissenschaft noch Uneinigkeit. Das hänge mitunter davon ab, wie hoch die Intensität der Strahlung ist und wie weit jemand vom Bildschirm entfernt sei. „Wir wissen, dass Strahlung mit Abstand ungefährlicher wird. Wer mindestens 30 Zentimeter entfernt vom Bildschirm ist, sollte in jedem Fall auf der sicheren Seite sein.“ Ein Beispiel verdeutlicht es: „Die Bildschirmarbeit dürfte nicht wirklich gefährlich sein, ist das Resultat einer Untersuchung der Beiersdorf AG. Wer danach in der Mittagszeit in Hamburg draußen spazieren geht, bekommt umgerechnet innerhalb weniger Minuten viel mehr Tageslicht, das auch blaues Licht enthält, ab als bei wochen- bis monatelanger Bildschirmarbeit.“

Yael Adler ist Dermatologin mit einer Praxis in Berlin.
© Thomas Duffé

Das blaue Licht von Bildschirmen hat außerdem Einfluss auf die Tag-Nacht-Wahrnehmung und das Schlafhormon Melatonin. Unser Körper wertet es als Tageslicht. Wer abends noch lange auf den Smartphonebildschirm blickt, bremst damit die Bildung des Hormons Melatonin, wodurch es sich nicht so einfach einschlafen lässt und die Nachtreparatur schlechter ist. „Melatonin ist nicht nur das Schlafhormon, sondern auch ein starker Genwächter und starkes Antioxidans. In der Nachtreparatur wird Erbgut repariert, wird das System nicht überlastet, kann der Körper viel selbst wieder heilen. Das ist immer eine Frage der Dosis, der Schadstoffe, die auf die Haut einwirken, davon ist Blaulicht ein Teil, aber meiner Meinung nach, auch nicht überzubewerten.“ Yael Adlers Tipp: Zumindest abends an Bildschirmen die Funktion nutzen, die das blaue Licht herausfiltert.

Sollte ich Anti-Blaulicht-Cremes nutzen?

In den Regalen von Drogerien gibt es viele Cremes, die einen „Anti-Blue-Light-Effekt/Filter“ versprechen, es gebe aber keine Daten dazu, ob dies wirklich hilft, klärt Yael Adler auf. „In den Cremes werden Antioxidantien untergemischt und die Hersteller hoffen darauf, dass es etwas bringt. Die Verwendung schadet nicht, das Geld für diese Produkte können sich Verbraucher:innen sparen.“ Doch vorsichtig zu sein und die Haut zu schützen, sei immer richtig: „Eine pflanzenbetonte Kost, die bunt ist, liefert viele Antioxidantien. Und wir können so die Reparaturmechanismen unterstützen und Schutzstoffe für die Haut ganz einfach aufnehmen.“

Wie kann ich meine Haut vor vorzeitiger Alterung und Schädigungen schützen?

Die Dermatologin rät zu einem Esslöffel Tomatenmark mit etwas Öl täglich, das darin enthaltene Lycopin unterstütze die Haut und schütze vor Hautalterung. Ein Glas Karottensaft mit etwas Öl täglich, liefere Provitamin A. Außerdem verlängere es den Eigenschutz der Haut vor der Sonne um das Zwei- bis Dreifache. Zudem färbe sich die Haut leicht orange – das lasse den Teint attraktiv aussehen. „Grüner Tee, besonders als Matchapulvertee, enthält das Antioxidans Epigallocatechingallat. Es gilt als Erbgutreparateur und wirkt der Hautalterung entgegen. Genauso das enthaltene Chlorophyll. Das sind effiziente Anti-Aging-Mittel“, sagt Yael Adler.

Dr. Yael Adler erklärt in ihrem Buch „Haut nah. Alles über unser größtes Organ.“ was man über Alterung, Pfelge oder auch Pusteln wissen muss. Droemer, 384 Seiten, 16,99 Euro.
© Droemer-Verlag

Die größere Gefahr für die Haut sei aber UV-Strahlung, da diese viel aggressiver ist als blaues Licht und neben Hautalterung Hautkrebs verursachen kann. Wer die Haut vor Sonne schützen will, sollte sich an diesen einfachen Satz halten: „Meiden, kleiden, cremen.“ Die Hautärztin erklärt: „Die üblichen Filter in Sonnencremes blocken kein blaues Licht ab. Trägt man aber eine physikalische Sonnencreme oder ein pudriges Make-up, wirken sie auf der Haut wie eine Art Sonnenschirm. Sie können auch blaues Licht abblocken.“

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