Bundesliga: Mit Fernsteuerung gegen Investoren und die DFL

Die Proteste gegen die Investorenpläne der DFL halten an. Die Fans werden dabei kreativer – und immer mehr Vereine wagen sich aus der Deckung. Wie könnte es weitergehen?

Die Kreativität der Kurven sollte jedem Investor eigentlich noch mehr Lust auf das Premiumprodukt Fußball-Bundesliga machen. Statt allein mit Tennisbällen oder sonstigen Wurfmitteln protestierten die Fans am Wochenende in den Stadien auch mit ferngesteuerten Autos gegen den Milliardenplan der massiv unter Druck geratenen Deutschen Fußball Liga.

In Rostock klebten Rauchfackeln auf den Mini-Dächern, die – so über den Rasen gefahren – für ein trügerisches Spektakel in dem verfahrenen Streit sorgten, in dem immer mehr Vereine vehement ein Einschreiten fordern. Auf die eine oder andere Weise.

Am Wochenende kamen der Zweitligist FC Schalke 04 und Darmstadt 98 zu jenen Clubs, hinzu, die das Votum für die Verhandlungen mit dem sogenannten strategischen Partner infrage stellen. DFL-Präsidiumsmitglied Axel Hellmann machte die Tür dafür ein Stück weit auf: „Wenn in die Mitgliederversammlung ein neuer Antrag eingebracht wird, über den Sachverhalt neu abzustimmen, wird man sich damit beschäftigen müssen.“ Konkret hat der 1. FC Köln genau diesen Schritt angekündigt.

Zweifel, Einspruch – neue Abstimmung?

„In erster Linie geht es uns darum, für Rechtssicherheit und für Akzeptanz zu sorgen“, sagte FC-Geschäftsführer Christian Keller im Interview mit dem „Geissblog“. Alle Verdachtsmomente müssten „vollständig ausgeräumt werden“. Gemeint ist das nach wie vor unklare Abstimmungsverhalten von Martin Kind, der gegen die Weisung des Hauptvereins von Hannover 96 gestimmt haben könnte. Gestimmt hatte genau die erforderliche Zweidrittelmehrheit in einer geheimen Wahl dafür, dass die DFL-Chefetage den historischen Schritt angehen soll. Schalke bat am Wochenende um „Transparenz und Klarheit“.

Laut DFL-Statuten ist das Präsidium verpflichtet, eine außerordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen, „wenn mindestens zehn“ Clubs dafür Anträge stellen. Nach offensiven Pressemitteilungen und Wortmeldungen müssten deshalb mehrere Vereine aus der Deckung kommen. Am Samstagabend im „Sportstudio“ des ZDF äußerte DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig Verständnis für „die Aufgeregtheit auf der Fan-Seite“ beim Thema Kind. Nach seiner Meinung sei es ein Verstoß gegen die 50+1-Regel, wenn Kind nicht der Hannover-Weisung gefolgt sei.

Kritik an der DFL 

Für die DFL ist deshalb kaum etwas zu gewinnen. Die 50+1-Regel, die im Grundsatz die Übernahme von Vereinen durch Investoren verhindert, ist im deutschen Fußball – und besonders den Fans – heilig. Gegen Investoren herrschen in den Kurven, die am Wochenende wieder im ganzen Land für teils halbstündige Unterbrechungen gesorgt hatten, besondere Aversionen vor. Der aktuelle Protest übersteigt bei Weitem Streitereien der Vergangenheit beispielsweise über Pyrotechnik oder Anstoßzeiten.

„Es beginnt im Moment zu kippen“, sagte Rettig – in einer ziemlichen Untertreibung. Der Geschäftsführer des DFB, der mit der DFL seit jeher bei Protesten und unflätigen Gesängen in einen Topf geworfen wird, zog den Arbeitskampf der Gewerkschaft der Lokführer mit der Deutschen Bahn als „ein bisschen“ passendes Beispiel heran, bei dem es auch nur voranginge, wenn alle „mal an den Tisch kommen“.

Die Fan-Szenen, die über die Vereine und Ligen verteilt nicht auf eine Stimme zu reduzieren sind, protestieren seit Ende vergangenen Jahres, weil die DFL für eine prozentuale Beteiligung an den TV-Erlösen von einem Finanzinvestor eine Milliarde Euro bekommen möchte. Im Rennen ist einzig noch das Private-Equity-Unternehmen CVC. „Ich glaube, es ist ein bisschen so eine Machtprobe, was ich brutal bedaure“, sagte Sportvorstand Christian Heidel vom FSV Mainz 05 nach den längeren Unterbrechungen im Spiel gegen den FC Augsburg.

Das sagt die DFL-Spitze

Die noch relativ neuen DFL-Geschäftsführer Marc Lenz und Steffen Merkel unternahmen am Samstag in einem ausführlichen Interview der „Süddeutschen Zeitung“ erneut den Versuch, zu werben und zu erläutern. Und ein kleines bisschen zu ermahnen. „Es ist okay, wenn wir Woche für Woche friedlich und verhältnismäßig hingewiesen werden, wie wichtig es ist, in den Verhandlungen innerhalb der roten Linien zu bleiben. Aber wenn Sie auf eventuelle Spielabbrüche ansprechen: Das könnten die Clubs und wir nicht akzeptieren“, sagte Lenz. 

Wird ein Spiel abgebrochen, geht es auch um viel Geld – das Produkt ist unter anderem für viel Geld an TV-Unternehmen verkauft worden, und ein Abbruch mindert den Wert. Noch völlig offen ist, mit welchen Summen der dafür zuständige DFB die Störungen mit Tennisbällen oder ferngesteuerten Autos sanktioniert.

Profis wollen spielen

Neben den Stimmen, die nach Verhandlungen rufen, mehren sich inzwischen jene, die das Protestieren in dieser Form kritisieren. „Die Fans sind die Seele des Spiels – ohne Frage“, sagte Trainer Alexander Zorniger von der SpVgg Greuther Fürth: „Aber sie sind nicht das Herz des Spiels. Und das Herz, das hat gerade akute Herzrhythmusstörungen. Weil du einfach nicht mehr fokussiert bist. Das kann sich ein Nicht-Profi-Sportler nicht vorstellen, was für Auswirkungen es hat, wenn du immer wieder ansetzt und immer wieder runterfährst.“

In Dortmund äußerte BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl, so wie jetzt, könne es nicht weitergehen. „Es macht vielen Zuschauern im Stadion keinen Spaß, den Spielern auch nicht – und das Spiel leidet auch noch darunter.“ Das bestätigte BVB-Kapitän Emre Can: „Wir leiden extrem darunter, verlieren unseren Rhythmus. Deswegen hoffe ich, dass es bald ein Ende hat.“

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